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I Cant Believe We Are Still Protesting This Shit! Sign

Girls’Day 2026

Arne Gülzau

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Kennt ihr das Plakat, das seit Jahren auf verschiedenen Demos zu sehen ist und auf dem immer das gleiche steht – egal, worum es eigentlich geht? Nein, ich meine nicht „Dagegen!“. Ich meine: „I can’t believe I still have to protest this shit.“ Inzwischen gibt es das sogar als Buch und T-Shirt. Marketing funktioniert eben am besten mit guten Sprüchen – und selbst aus einem antikapitalistischen Protest lässt sich noch Kapital schlagen. Toll.
Aber ich schweife ab.

Eigentlich geht es um den Girls’ Day. Den Aktionstag, der laut Girls‘ Day „Mädchen und Frauen motivieren soll, Berufe aus den Bereichen Handwerk, Technik, Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und Forschung zu ergreifen.“ Wenn ich das richtig sehe, feiert dieser Aktionstag gerade sein 25-jähriges Bestehen. Und so richtig weit sind wir in Deutschland noch nicht gekommen.
Ja, der Frauenanteil in den sogenannten MINT-Berufen steigt (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften & Technik). Aber er bleibt niedrig. Zwischen 2012 und 2022 ging es von rund 13,8 % auf etwa 16 %. Das ist zwar Fortschritt, aber nicht gerade ein Sprung im Heinke Henkel Style. Gleichzeitig gibt es einen Lichtblick: Im Studienjahr 2024 lag der Anteil von Frauen im ersten MINT-Fachsemester bei rund 36 % – ein Rekordwert laut Statistisches Bundesamt. Hurra.

Das Problem ist also nicht mehr nur der Einstieg. Sondern das, was danach passiert.
Denn viele Frauen verlassen MINT-Berufe wieder. Nicht, weil sie es nicht können. Sondern weil sie es oft nicht dauerhaft wollen (unter den gegebenen Bedingungen). Arbeitskulturen, in denen sie sich nicht zugehörig fühlen. Strukturen, die Karriere und Familie schwer vereinbar machen. Fehlende Vorbilder. Begrenzte Aufstiegschancen, usw. Es handelt sich oftmals um ein System, das sie zwar reinlässt, aber nicht hält.
Einfach nur mehr Frauen in MINT zu bringen, reicht also nicht. Wir müssen die Bedingungen so verändern, dass sie auch bleiben. Und genau hier wird der Girls’ Day spannend.
Denn vielleicht haben wir ihn all die Jahre ein bisschen falsch verstanden?

Der Girls’ Day war nie dafür gedacht, strukturelle Probleme zu lösen. Er ist ein Impuls und ein Türöffner und ein erster Kontakt für interessierte Mädchen, Verzeihung, Girls. Der Tag ist ein „Hey, das gibt es auch für dich“. Und das funktioniert ja auch und ist eine gute Idee im Prinzip, deswegen machen wir da schließlich auch jedes Jahr gerne mit (auch übermorgen, am 23.04.) – und die steigenden Zahlen im Studium zeigen das ziemlich deutlich.
Aber: Ein Türöffner bringt wenig, wenn der Raum dahinter nicht einladend ist. Bildlich gesprochen.

Oftmals sieht es doch so aus: viele weibliche Kolleg:innen am Empfang, im Human Relations Bereich, beim Finance Büro und im Marketing. Aber je weiter man ins Büro vordringt, desto weniger lange Haare verstecken sich unter den Kopfhörern. Und wenn, dann sind es männliche Metal-Fans. Warum ist das so?
Was bringt es, wenn ein Mädchen am Girls’ Day in ein IT-Unternehmen (oder in ein Chemie-Labor) reinschnuppert, dort vielleicht sogar begeistert ist und zehn Jahre später feststellt, dass sie in genau diesem Umfeld permanent gegen unsichtbare Widerstände arbeiten muss?

Vielleicht ist also nicht die Frage, ob wir den Girls’ Day noch brauchen, sondern: Was passiert an den restlichen 364 Tagen im Jahr? Das Motto muss eigentlich sein, nicht nur Mädchen für MINT zu begeistern, sondern auch MINT so verändern, dass Frauen bleiben wollen.

Und bevor das jetzt zu einfach wird: Natürlich ist es bequem, das alles als Problem „der Branche“ zu beschreiben. Aber so funktioniert es nicht.

Wir würden für uns bei virtual7 schon in Anspruch nehmen, vieles richtig zu machen. Kultur, Organisation und die Arbeitsweise. Wir haben hier flexible Modelle entworfen, flache Hierarchien gebaut und ein Umfeld erschaffen, in dem man sich entwickeln kann. Wir wünschen uns nicht nur, dass mehr Frauen in MINT bleiben. Wir arbeiten auch daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Denn sonst sitzen wir in 25 Jahren wieder hier mit unseren männlichen Kollegen in der nächsten Diversity-Runde mit exakt derselben Besetzung. Und mit einem neuen Rekord bei Studienanfängerinnen. Mit leicht gestiegenen Beschäftigtenzahlen. Und mit demselben Gefühl wie heute.

I can’t believe I still have to protest this shit.

Interessant?

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